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Friedrich Jacob Schütz (1813-1877)

zuletzt aktualisiert: 10.07.2007

Friedrich Jacob Schütz wurde am 31. August 1813 als Sohn eines Schustermeisters in Mainz geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Rechtswissenschaften in Gießen, wo er bald in Kontakt mit freiheitlichen Ideen und Meinungsführern kam. Zusammen mit anderen Gießener Studenten war Schütz im Jahr 1833 an der Vorbereitung des Frankfurter Wachensturms beteiligt und wurde nach dessen Scheitern in Untersuchungshaft genommen. Nach seiner Entlassung trat er Georg Büchners „Gesellschaft der Menschenrechte“ bei und half bei der Verbreitung des „Hessischen Landboten“, der die verarmte Landbevölkerung mit dem Ruf „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ für die Revolution gewinnen sollte. Um einer erneuten Verhaftung zu entgehen, musste sich Schütz 1834 nach Belgien absetzen. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt als Lehrer und verfasste Artikel für liberale Zeitungen in Deutschland.

1848 sah er die Gelegenheit gekommen, in seiner Heimat für die demokratische Sache zu kämpfen, und kehrte nach Mainz zurück. Er wurde Redakteur der „Mainzer Zeitung“ und Vorsitzender des „Demokratischen Vereins“ der Stadt. Charakteristisch ist auch sein Engagement im Mainzer Arbeiterverein. Nach dem Septemberaufstand in Frankfurt, als Schütz den Austritt der linken Paulskirchenabgeordneten aus der Versammlung befürwortet hatte, musste er abermals nach Belgien fliehen, um nicht gefaßt zu werden. Doch schon im Dezember 1848 kehrte er zurück, als sich für ihn eine Gelegenheit ergab, selbst Abgeordneter in der Paulskirche zu werden: Franz Joseph Brunck, der bisherige Träger des Binger Mandats, war unerwartet verstorben, und Schütz trat erfolgreich zur Wahl um dessen Nachfolge an. Als Parlamentarier genoss er von nun an Immunität.

Innerhalb der Nationalversammlung zählte Schütz zum „Donnersberg“, also zur äußersten Linken. Insgesamt hielt er in seiner Zeit als Abgeordneter vom 12. Januar bis zum 15. Mai 1849 drei größere Reden, die ihn als sozial engagierten Demokraten ausweisen. Er stimmte gegen eine Wahl des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV. zum deutschen Kaiser und sagte voraus, daß dieser die Krone nicht annehmen werde. In der Revolution sah Schütz das Ergebnis einer unaufhaltsamen geschichtlichen Entwicklung: „Sie werden diese Strömung zwar aufhalten,“ rief er den konservativen Kräften zu, „aber nicht hindern können, daß der Strom mit unwiderstehlicher Gewalt den Damm durchbricht und alles verwüstet, was sie gegen ihn aufgebaut haben.“ Das neue Gemeinwesen dürfe kein „Militärstaat“, kein „Priesterstaat“, aber auch kein „Geldstaat“ werden, sondern „eine Gesellschaft von Arbeitern, eine Gesellschaft, welche jedem Menschen die Möglichkeit eröffnet, [...] den seiner Tätigkeit gebührenden Gewinn zu finden.“ Aus diesem Grund sprach er sich für die Festschreibung des Rechts auf Arbeit in der Verfassung aus.

Nach der Auflösung des Paulskirchenparlaments war Schütz Mitglied der badischen Revolutionsregierung, in deren Auftrag er im Mai 1849 nach Paris ging, um Kontakte mit den dortigen Aufständischen zu knüpfen. Nach dem Scheitern des Pariser Aufstands wanderte er nach Australien aus, wo er sich zunächst als Straßenbauarbeiter durchschlug, dann aber eine Anstellung als Erzieher im Haus des britischen Gouverneurs in Melbourne fand. Da er in seiner Heimat mittlerweile in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war, wanderte er nach Amerika aus, wo er der Republikanischen Partei beitrat. Friedrich Jakob Schütz starb am 4. März 1877 als amerikanischer Gesandter in Rotterdam. (ss)


Literatur:

  • Manfred Köhler: Der Mainzer Demokrat Friedrich Jakob Schütz in der Frankfurter Nationalversammlung 1849. In: Mainzer Geschichtsblätter 11 (1999), S. 61-84.
  • Ders.: Schütz, Friedrich Jacob. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte der demokratischen und liberalen Bewegungen in Mitteleuropa (Bd. 2/Teil 1), hrsg. von Helmut Reinalter, Frankfurt a. M. 2005, S. 257-259.
  • Heinrich Best /Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Düsseldorf 1996, S. 310.

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